Trauer ist wichtig: 10a (Religion) im Dialog

Trauercoach Steffi Reuter vor Ort zu Gast zu Abschied & Sterben

In der Endphase des Schuljahres beschäftigte sich die Religionsgruppe der Klasse 10a intensiv mit dem Themenfeld „Leben, Sterben und Tod“. Ein herausforderndes Thema – aber eines, das alle Menschen betrifft und deshalb auch im Unterricht seinen Platz haben sollte.

Im Mittelpunkt der Unterrichtsreihe standen unter anderem Fragen wie: Was kommt danach? Wie gehen Menschen mit einer schweren Diagnose um? Welche Phasen des Sterbens gibt es? Welche Bedeutung haben Hospize in der letzten Lebensphase? Darüber hinaus setzte sich die Lerngruppe mit traditionellen und modernen Bestattungsformen auseinander und besuchte den Friedhof an der Rintelner Straße. Auch die christliche Hoffnung auf Auferstehung wurde thematisiert.

Schnell wurde deutlich, dass Trauer ein zentraler Bestandteil der Verarbeitung von Verlusten ist. Umso mehr freute sich die Lerngruppe über den Besuch von Steffi Reuter, die Mitte Juni eine Doppelstunde zum Thema „Trauer“ gestaltete. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich intensiv vorbereitet: Unter der Überschrift „Trauern ist wichtig“ sammelten sie Gedanken und formulierten zahlreiche Fragen, die zum Teil sehr tiefgründig waren.

Steffi Reuter bringt vielfältige Erfahrungen in dieses Themenfeld ein. Sie arbeitet im Bestattungswesen, begleitet als professioneller Coach Menschen in Trauersituationen und engagiert sich ehrenamtlich im „Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe e.V.“ Dort begleitet sie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Verarbeitung ihrer individuellen Trauer.

Bereits zu Beginn der Doppelstunde wurde deutlich, dass Trauer etwas sehr Persönliches ist. Dabei stehen zwar häufig Verluste durch den Tod nahestehender Menschen im Mittelpunkt – etwa von Großeltern, Elternteilen oder Geschwistern –, doch auch der Verlust eines geliebten Haustieres oder andere einschneidende Veränderungen können tiefe Trauer auslösen. Jeder Mensch erlebt und verarbeitet solche Erfahrungen auf seine eigene Weise.

Gemeinsam erarbeitete die Religionsgruppe zunächst drei zentrale Fragestellungen, die auch im Tafelbild festgehalten wurden: Worüber trauern Menschen? Welche Gefühle löst Trauer aus, wie zeigt sie sich im Alltag? Und mithilfe welcher Strategien gehen wir dies an? Dabei wurden auch ungesunde Vorgehensweisen wie Betäubung, Alkohol, Drogen genannt. Aber eben auch viel mehr Strategien, die wertschätzend und zielfördernd daherkommen.

Steffi Reuter machte dabei deutlich, dass es auf viele dieser Fragen keine allgemeingültigen Antworten gibt. Gerade das mache den Austausch mit Betroffenen besonders wertvoll. In den 90 Minuten entstanden zahlreiche Denkanstöße, intensive Gespräche und hilfreiche Perspektiven.

Auch die anschließende Reflexion zeigte, wie nachhaltig der Besuch gewirkt hatte. Viele Schülerinnen und Schüler nahmen neue Sichtweisen und wertvolle Impulse mit. Gerade junge Menschen frühzeitig und sensibel an die Themen Tod, Verlust und Trauer heranzuführen, ist ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung.

Religionslehrer Stephan Krause zieht ein positives Fazit: „Wir können Kinder und Jugendliche nicht vor Verlusten, Tod und Trauer bewahren. Aber wir können ihnen Orientierung geben, Gesprächsangebote schaffen und sie auf ihrem Weg begleiten.“

Der Besuch machte einmal mehr deutlich, wie bereichernd die Zusammenarbeit mit außerschulischen Expertinnen und Experten sein kann. Schule endet nicht an der Klassenzimmertür – sie gewinnt an Tiefe, wenn Theorie und gelebte Praxis zusammenkommen. Ein herzliches Dankeschön an Steffi Reuter für eine eindrucksvolle Unterrichtseinheit, viele wertvolle Impulse und den offenen Austausch zu einem schwierigen, aber überaus wichtigen Thema.​​​

Stephan Krause