9. Jahrgang im Jungen Theater Detmold

Jung sein, das Leben genießen, Freunde treffen – das gehört für viele unserer Neuntklässler zum normalen Leben dazu. Alles das war für Anne Frank ab 1942 unmöglich. Sie lebte mit mehreren anderen Menschen in der Enge ihres Verstecks, in dem sie sich vor den Nazis verstecken musste, und an ein normales Leben, wie es Jugendliche normalerweise führen, war für sie nicht zu denken.
Das Schicksal dieses jüdischen Mädchens, das uns durch das Tagebuch der Anne Frank überliefert wurde, hat das Junge Theater Detmold nun auf die Bühne gebracht.
Dabei verschmelzen die Zeiten von heute mit der, in der Anne Frank lebte, denn zunächst geht es um ein Mädchen, das in der heutigen Zeit lebt. Sie hat die Aufgabe, ein Referat über Anne Frank zu schreiben. Durch die Beschäftigung mit ihr erlebt der Zuschauer die Welt von Anne Frank und der des Mädchens von heute auf der Bühne, zumal beide Rollen von derselben Schauspielerin verkörpert werden.
Unser 9. Jahrgang fuhr geschlossen zum Jungen Theater, um sich dieses Theaterstück in zwei Vorstellungen anzuschauen. Durch den guten Einsatz von Medien und Ton, sowie dem engagierten Auftreten der Schauspielerin, die bisweilen direkt mit dem Publikum agierte, gelang es, unsere Schülerinnen und Schüler an das Stück zu binden. So konnten Parallelen zum eigenen Leben in relativer Freiheit hergestellt werde, konnte man sich Gedanken machen, was man selbst in ein Versteck an persönlichen Dingen mitnehmen würde und die Enge des Lebens im Versteck konnte ansatzweise begreifbar gemacht werden.
Am Ende lässt sich sagen, dass Anne Frank auch heute noch den Nerv der Zeit treffen kann. Ihr Wunsch nach Leben, Liebe und Freiheit, ihr Aufbegehren gegen das Denken der Erwachsenen und das Entdecken des eigenen Ichs sind allgemeine Gefühle, damals wie heute. Umso schwieriger ist es, wenn man das alles nicht frei ausleben kann, weil man ohne eigene Schuld untertauchen muss – mit der ständigen Angst, entdeckt und ermordet zu werden. Etwas, was unseren Neuntklässlerinnen und -klässlern bestimmt zu denken gegeben und das Schicksal dieses Mädchens nähergebracht hat.
Wir bedanken uns beim Jungen Theater für die unkomplizierte Organisation und bei unserem Förderverein für die finanzielle Unterstützung.
Thorsten HollingFoto: © Landestheater Detmold/Marc Lontzek